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Freifunk auf dem 39. Umsonst und Draussen Stuttgart

Auch dieses Jahr sind wir wieder auf dem Umsonst & Draußen in Stuttgart-Vaihingen und machen Freifunk. Das Netz wurde wieder weniger zentralistisch aufgebaut als im letzten Jahr. Auch hatten wir wieder Mesh-Verbindungen über WLAN vor Ort. Ungewollt hat das Netz Trapez-Form mit Kreuz angenommen.

Bei wunderbarem Sonnenschein, großer Hitze und viel Wasser- und Limokonsum wurde das Netz am Donnerstag und Freitag von sehr motivierten und nun auch mit vierjähriger U&D-Erfahrung ausgestatteten Freifunkern aufgebaut. Den Uplink für den Dienst „Internet“ stellte freundlicherweise wieder Selfnet zu Verfügung.

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1. Stuttgarter Flüchtlingsunterkunft mit Freifunk

Seit vergangenem Freitag wird die Flüchtlingsunterkunft in S-Rohr mit Freifunk versorgt. Dies war relativ kurzfristig durch die Vorarbeit des Stuttgarter Hackerspace shackspace möglich. Dank dem ehrenamtlichen Engagement des shackspace wurde über Spenden bereits ein Internetanschluss finanziert und vor Ort ein Internetcafé eingerichtet. Wie die Stuttgarter Nachrichten berichteten, war das Problem, dass die rund 180 Bewohner nur zu bestimmten Zeiten Zugang zu den vier PCs hatten und dann beaufsichtigt surfen konnten.
Da viele Bewohner über ein WLAN-fähiges Gerät verfügen (z.B. preiswertes Smartphone, gespendete Notebooks), war ein unbeschränkter Zugang zum Internet der logische Schritt. Andrerseits gilt in Deutschland die Störerhaftung und Anschlussinhaber sind im Zweifelsfall haftbar. Dieses Problem kann mit der Freifunk gelöst werden.
Anders als im Zeitungsartikel geschrieben, „verschleiern“ wir keine „Spuren“, sondern schützen Menschen, die kostenfrei ihren Internetzugang teilen. Diesen Aufbau verwenden auch immer mehr kommerzielle Hotspot Betreiber für Gastronomen o.ä. Deshalb sei hier auch ausdrücklich darauf hingewiesen, dass Freifunk kein Anonymisierungsdienst ist.

Der Kontakt zum shackspace war schnell aufgebaut, da dort auch unsere monatlichen Treffen stattfinden.

Letztlich waren wir zu sechst und konnten direkt elf Router installieren. Der Großteil der Router wurden von den Freifunkern und Pi gespendet. Die beiden leistungsstärkeren Router TP-Link 1043nd v2 & TP-Link WDR3600 stellen die Verbindung ins Internet her und wurden vom Freundeskreis der Flüchtlingsunterkunft finanziert.

Matze beim Konfigurieren eines Routers
Matze beim Konfigurieren eines Routers

Flächenmäßig konnten mit dieser Installation so gut wie alle Bereiche in den beiden Gebäuden abgedeckt werden. Die Router sind per Funk verbunden (meshen), wodurch keine Netzwerkkabel installiert werden mussten. Allerdings werden vom am weitesten entfernten Router fünf Hops bis zu den beiden Uplink-Nodes im Internetcafé benötigt. Dies und die hohe Anzahl an Benutzer führt dazu, dass man surfen, Kurznachrichten und E-Mails schicken kann. Das schauen von Youtube-Clips ist je nach Standort möglich.
In einer zweiten Runde wird versucht die Konfiguration zu optimieren und durch die Installation eines Outdoorrouters die Anzahl der Hops zu verringern. Eventuell kann sich der Freifunk-Router Betreiber direkt nördlich der Einrichtung melden. Bei Interesse könnte dessen Node in das Mesh eingebunden werden.

Knoten & Mesh in der Arthurstraße
Knoten & Mesh in der Arthurstraße ((Kartendaten von OpenStreetMap – Veröffentlicht unter ODbL)

Insgesamt war es eine gelungene Aktion. Vielleicht etwas hemdsärmelig umgesetzt, denn bei drei Routern sind momentan keine Koordinaten eingetragen – dies soll aber in der zweiten Runde geändert werden.
Meist sind zwischen 40 und 50 Endgeräte zeitgleich online.

Wer sich fragt, weshalb wir auch Flüchtlingsheime mit Freifunk versorgen, sollte den Kontakt zu Flüchtlingen aufnehmen und mit diesen Menschen darüber reden, welche Bedeutung es für sie hat. Leon Scherfig, der Autor des oben genannten Zeitungsartikels, hat zu dem Thema auch einen sehr guten Kommentar geschrieben.

Freifunk Stuttgart unterstützt aus diesen Gründen aus vollster Überzeugung solche Projekte. Darüber hinaus machen wir Freifunk nicht nur für Flüchtlinge, sondern für alle! Und das ohne Anmeldung, ohne zeitliche Limitierung und ohne Filterung. Jeder ist eingeladen Freifunk zu benutzen und den eigenen Internetanschluss zu teilen. Je mehr Menschen digitale Gastfreundschaft vorleben, desto höher ist die Chance, dass man vor Ort einen Freifunkknoten findet. Wer teilt gewinnt!

Wie ein Freifunk-Router eingerichtet wird, wird im Wiki erklärt. Bei einem Treffen helfen wir auch bei der Konfiguration.
Gerne unterstützen wir auch andere soziale Einrichtungen (z.B. Obdachlosenheime, Suppenküchen, Jugendhäuser, o.ä.) bei der Installation der Router. Was wir benötigen, ist ein Internetzugang vor Ort oder aus der Nachbarschaft, sowie kompatible Router.

Bei Bedarf einfach melden. Wir helfen gerne weiter oder können bei Einrichtungen auch einen vor Ort Termin machen und konkret erklären, wie das mit dem Freifunk funktioniert 😉

Bereits Ende Juni wird ein weiteres Flüchtlingsheim im Stuttgarter Süden durch das Engagement des dortigen Freundeskreises und Freifunk Stuttgart ans Netz gehen – wir freuen uns!

Flüchtlingsunterkünfte in Gomadingen mit Freifunk

Am 01.03.2015 hat uns Ulrich vom Arbeitskreis Asyl Gomadingen per E-Mail kontaktiert. Seine Frage lautete: „Gibt es eine Möglichkeit, das ehemalige Feriendorf auf der schwäbischen Alb mit Freifunk zu versorgen?“.
Die kurze Antwort lautete 20 Minuten später „Ja!“, denn wie bereits hier berichtet unterstützen wir solche Vorhaben. Allerdings ist es notwendig, dass eine Internetanbindung vor Ort oder im Dorf vorhanden sein muss.
Via Kurznachrichten hat Flip zugesagt, bei einer Umsetzung und Installation vor Ort zu helfen. Der Freundeskreis Asyl konnte einen Internetanschluss im Feriendorf organisieren.
Am 09.03.2015 hat Christoph beim Freifunktreffen im shackspace das Vorhaben vorgestellt. Das Projekt wurde im Plenum nicht nur positiv aufgenommen, sondern es haben sich einige Freifunker gefunden, die bei einem Vor-Ort-Termin und der Erstinstallation am 14.03. in Gomadingen unbedingt dabei sein wollten.
Ulrich hat zwei Freifunkrouter besorgt und sieben Freifunker haben sich mit etlicher Freifunk-Hardware und Equipment auf den Weg gemacht.

Teile des Equipments
Teile des Equipments

Vor Ort wurden wir von Jack, der guten Seele des Feriendorfs, Ulrich, den Bewohnern und Bürgermeister Betz freundlich empfangen.

Willkommens-Plakat im Gemeinschaftsraum
Plakat im Gemeinschaftsraum

Die Geräte wurden den ganzen Tag über konfiguriert und in den einzelnen Häusern installiert.

Wilhelm beim Vorbereiten der Router
Wilhelm beim Vorbereiten der Router

Der Uplink wird in Jacks Haus bereitgestellt und befindet sich in unmittelbarer Nähe des Gemeinschaftshauses.

Jacks Haus mit Uplink und Picostation auf dem Dach
Jacks Haus mit Uplink und Picostation auf dem Dach

In Jacks Haus befindet sich ein TP-Link 1043nd v2, ebenso im Gemeinschaftshaus. Das Signal wird von Jacks Haus über eine Ubiquiti Picostation auf dem Gelände verteilt, um die 66 bis 90 Meter zu den Unterkünften zu überwinden.

Blick auf die Häuser der Flüchtlinge
Blick auf die Häuser der Flüchtlinge

Das Signal der Picostation wird von drei TP-Link 841nd in den sechs Häusern der Flüchtlinge aufgegriffen und dort verteilt. Es handelt sich dabei um ein sogenanntes Mesh-Netzwerk, d.h. die Systeme stellen selbständig Verbindungen untereinander her und wählen dabei ohne manuelle Eingriffe immer den besten Weg, so dass auch Erweiterungen einfach möglich sind.

TP-Link 841nd mit Blick auf Jacks Haus
TP-Link 841nd mit Blick auf Jacks Haus

Die Installation der Geräte wurde immer wieder „unterbrochen“ und wir wurden von der Gastfreundschaft der Bewohner überwältigt. Bei Kaffee und Tee konnten wir uns mit einigen Bewohnern austauschen. Dies war wirklich eindrucksvoll und hat uns in unserem Tun mehr als bestätigt.
Ein größeres Apartmenthaus konnte noch nicht versorgt werden, da dies hinter einer Kuppe liegt und damit keine direkte Funkverbindung besteht. Hierfür wäre eine weitere Picostation auf der Kuppe notwendig – oder die Anbindung an mit dem Internet verbundene Freifunk-Knoten im Ort.
Am Ende eines langen Tages sind die sieben Freifunker glücklich nach Hause gefahren.
Diesen Freitag wurde der Internetanschluss geschaltet und seitdem ist über das Freifunknetz auch der Zugang zum Internet möglich. Somit haben alle Bewohner in ihren Unterkünften oder zumindest im Gemeinschaftshaus, die Möglichkeit mit der Heimat zu kommunizieren, Vokabeln nach zu schlagen und sich zu informieren – ohne teures Datenpaket.

Screenshot der Nodes (Punkte) und des Mesh-Netzwerk (grüne Linien)
Screenshot der Nodes (Punkte) und des Mesh-Netzwerk (grüne Linien) – Kartendaten von Lyrk & OpenStreetMap – Veröffentlicht unter ODbL

Es war sicherlich nicht das letzte Mal im idyllischen Gomadingen – denn in den nächsten Monaten werden weitere Häuser bezogen und das Apartmenthaus gilt es zu versorgen – wir freuen uns!