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Obdachlosen- und Flüchtlingsunterkunft mit Freifunk versorgt

Freifunk in Vaihingen an der Enz gibt es schon seit 2014. Seit Ende Januar stellt die Stadt Vaihingen in einer Unterkunft für Flüchtlinge und Obdachlose auch Freifunk zur Verfügung.

Hierfür wurden bereits im vergangenen Jahr gemeinsam mit dem städtischen Ordnungsamt alle städtischen Unterkünfte besichtigt und geprüft, wie ein freier Zugang zum Netz via Freifunk realisiert werden kann.

Container mit Outdoor-Router Ubiquiti Picostation M2-HP
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Nach weiteren Planungen ging vor zwei Wochen die erste größere Unterkunft als Pilotprojekt online. Zielsetzung ist es dabei, eine Grundversorgung zu ermöglichen. Aufgrund baulicher Gegebenheiten ist ein WLAN Empfang nicht in allen Zimmern der Unterkunft möglich, aber zumindest zwischen den Gebäuden und in Teilen des Containers ist das Surfen problemlos möglich.

So können sich die Bewohner online informieren, die Sprache lernen oder Kontakt mit der Heimat halten.

Nach diesem erfolgreichen Auftakt, sollen in naher Zukunft weitere Unterkünfte mit Freifunk versorgt werden.

Freifunk Stuttgart bedankt sich bei der Stadt Vaihingen, insbesondere beim städtischen Ordnungsamt und der IuK-Abteilung, für die gute Zusammenarbeit und freut sich auf weitere gemeinsame Projekte!

Hintergrundinformationen zu Freifunk in Vaihingen:
Seit längerem wird in Vaihingen an der Enz das Büro des AK Asyl mit Freifunk versorgt, sowie in manchen Unterkünften in den Teilorten. Dort erfolgte bisher die Realisierung durch privates Engagement. Ansonsten gibt es noch im Fitnessstudio thommySPORTS oder beim Friseursalon Buduligh Freifunk.
Bei Interesse kann man mit Freifunk Stuttgart Kontakt aufnehmen und sich in Vaihingen vor Ort vernetzen.

Freifunk hilft – ein chronologischer Rückblick

Aufmerksam auf das Thema Internetzugang für Flüchtlinge wurden wir Ende November 2014. Ein Aachener Freifunker mit Stuttgarter Wurzeln sprach uns an, dass er gerne für eine Stuttgarter Unterkunft Freifunk einrichten würde. Dabei wurde uns die Notwendigkeit eines freien Internetzugang für asylsuchende Menschen bewusst. Ursprünglicher Plan war es, dass noch im Dezember 2014 ein vom lokalen Freundeskreis finanzierter DSL-Anschluss geschaltet wird. Doch ganz so einfach war es nicht und ist es nicht – auch wenn sich einiges gebessert hat.

Anfang Februar kamen zu einem Treffen weitere Ehrenamtliche aus mehreren Freundes-/Arbeitskreisen mit dem selben Anliegen.
In der Folge nahmen die Ehrenamtlichen aus der Flüchtlingshilfe und wir mit den Trägern und der Stadt Stuttgart Gespräche auf.

Mitte März kam eine weitere Anfrage aus Gomadingen. Nach kurzem E-Mailverkehr und ein paar Telefonaten wurde bereits zwei Wochen später ein von den Ehrenamtlichen finanzierter DSL-Anschluss geschaltet. So dass wir Ende März mit mehreren Freifunkern und viel Hardware vor Ort waren und die erste Flüchtlingsunterkunft mit Freifunk Stuttgart versorgen konnten. In den folgenden Monaten waren wir immer wieder vor Ort und haben das Netz ausgebaut und optimiert – zuletzt im November.

Eine weitere Unterkunft folgte Ende Juni im Stuttgarter Süden (Anfrage der Ehrenamtlichen Anfang Februar). Diese Einrichtung wurde als Pilotprojekt vom Stuttgarter Sozialamt genehmigt. Auch hierbei wurde der DSL-Anschluss und die Hardware vom lokalen Freundeskreis finanziert. Der Anschluss läuft mit Genehmigung des Sozialamtes auf eine Privatperson, die sich im Freundeskreis engagiert. In dieser Unterkunft wird aktuell „nur“ der Gemeinschaftsraum versorgt. Auf Betreiben der Flüchtlinge soll dies bereits im Januar ausgebaut werden. Dieser Ausbau wird mit Spenden finanziert, die die Flüchtlinge durch ein Theaterstück eingenommen haben.

Von da an ging der Ausbau etwas schneller und die Anfragen häuften sich. Vor allem, als Ende Juli der Artikel bei der Flüchtlingshilfe Baden-Württemberg erschien und mittlerweile unsere Initiative auch im „Handbuch für Ehrenamtliche in der Flüchtlingshilfe“ des Landes Baden-Württembergs empfohlen wird.
Zudem erhielten wir einiges an medialem Interesse, sei es in den Stuttgarter Nachrichten, Stuttgarter Zeitung, Spiegel Online oder in der Süddeutschen Zeitung. Auch dies mündete in deutlich mehr Anfragen von Ehrenamtlichen, sozialen Trägern oder Kommunen.
Diese Entwicklungen machten es auch notwendig, dass sich jemand aus unserer Community zentral um solche Anfragen kümmert.

Bei unserem Treffen im September hat sich Arno Schenk bereit erklärt diese Aufgabe zu übernehmen. Für unsere Community und die asylsuchenden Menschen ein Glücksgriff und der Ausbau nahm rasant an Fahrt auf. Teilweise konnte mit Landkreisen mehrere Unterkunft auf einmal versorgt werden.

Außerdem gab es Routerspenden von TP-Link Deutschland und dem Stuttgarter Unternehmen Software4Professionals GmbH & co. KG. Daneben gab es diverse Spenden von FreifunkerInnen und anderen privaten Initiative, die direkt Unterkünfte im Ausbau unterstützen.

Seit Oktober ist es Dank Unitymedia auch möglich, dass der Internetanschluss vollkommen kostenfrei zur Verfügung gestellt wird. Dies muss im Einzelfall geprüft werden, z.B. ob ein Kabelanschluss vor Ort vorhanden ist , gibt es eine gemeinnützige Organisation auf die der kostenfreie Vertrag laufen kann, etc. Danach wird sehr schnell und unkompliziert der Internetanschluss geschaltet. Dies senkt immens den finanziellen Aufwand für die Freundeskreise und somit die damit verbundenen Hürden. Auf diese Weise konnten mittlerweile bereits 16 Unterkünfte angebunden werden.

Neben diesen Unterkünften werden mittlerweile insgesamt mehr als 45 Unterkünfte versorgt. Die Eingangs erwähnte Unterkunft wird leider immer noch nicht versorgt, da niemand aus dem Umfeld des Freundeskreises gefunden wurde, der einen Internetanschluss auf eigenen Namen buchen würde. Hoffentlich klappt es aber im kommenden Jahr – wir bleiben dran.

Eine erste Anlaufstelle zur Vorgehensweise ist in unseren FAQs zu finden.

Für weitere Fragen steht unser Flüchtlingshilfekoordinator Arno Schenk per E-Mail oder telefonisch 0711/6645781 zur Verfügung.

Neben dem Ausbau in Flüchtlingsunterkünften unterstützen wir gerne soziale Projekte und Einrichtungen aus anderen Bereichen. Sei es in Obdachlosenunterkünften, Altersheimen oder Jugendhäuser. So konnten beispielsweise auch drei Jugendhäuser angebunden werden.

Schöner Nebeneffekt von „Freifunk hilft“ ist, dass viele Ehrenamtliche aus der Flüchtlingshilfe mittlerweile auch aktive FreifunkerInnen sind und die Freifunk Knoten in den Unterkünften oder zu Hause warten. Auf der anderen Seite engagieren sich auch FreifunkerInnnen in den lokalen Freundeskreisen ihrer Gemeinden. Auch dieses Beispiel zeigt, Freifunk verbindet!

In diesem Sinne wünscht Freifunk Stuttgart einen guten Start ins Jahr 2016 – es gibt noch genug zu tun! 😀