Archiv für den Monat: Juni 2015

2. Stuttgarter Flüchtlingsheim mit Freifunk

Was lange währt, wird endlich gut. Wie im letzten Blogartikel angekündigt, wird nun seit dem 24.06.2015 ein Flüchtlingsheim im Stuttgarter Süden mit Freifunk versorgt.
Möglich gemacht hat dies das Engagement des Freundeskreis Süd, insbesondere von Gido und Reinhard. Beide waren bereits seit längerem auf der Suche den Menschen in der Unterkunft kostengünstig Zugang zum Internet zu ermöglichen ohne rechtliche Bedenken für den Anschlussinhaber. Dank des Artikels im Lift Magazins wurde Reinhard auf Freifunk aufmerksam und prompt sind beide zu unserem Februartreffen im shackspace gekommen.
Dort konnten wir viele Fragen beantworten und gemeinsam nach einer Lösung suchen. Klar war, für Freifunk ist ein Internetanschluss vor Ort oder aus der Nachbarschaft notwendig. Dieses Problem galt es zu lösen. Nach vielen Gesprächen und diversen Schriftwechseln konnte Gido eine Lösung finden: Der Freundeskreis bekam die Erlaubnis einen DSL-Anschluss installieren zu lassen. Dieser Anschluss sowie der Freifunk-Router wird durch Spenden des Freundeskreises finanziert. Diesen Freifunk Router hat Flip konfiguriert.

Am Mittwoch sollte der Internetanschluss freigeschaltet werden. Nachmittags haben sich dann Gido und Reinhard vom Freundeskeis, sowie Flip und Christoph von den Freifunkern vor Ort getroffen. Gido hat noch den DSL-Router eingerichtet und Flip konnte direkt den Freifunk-Knoten einsöpseln.

Das Ergebnis sah folgendermaßen aus:

Drei glückliche Freifunker (cc-by-nc-nd Reinhard Otter)
Drei glückliche Freifunker (Creative Commons License Reinhard Otter. Dieses Bild steht unter Creative Commons Attribution-NonCommercial-NoDerivatives 4.0 International License.)

Mit der jetzigen Konfiguration wird der Gemeinschaftsraum und Teile der Unterkünfte versorgt. Bereits am Mittwoch wurde das Angebot dankbar von den Bewohnern angenommen. So dass es auch hier ein Stück digitale Gastfreundschaft angekommen ist.

Unser neuer Aufsteller "Digitale Gastfreundschaft"
Unser neuer Aufsteller „Digitale Gastfreundschaft“

Über einen weiteren Ausbau des Netzes wird nachgedacht, damit die Flüchtlinge auch in ihren Zimmern das Freifunk-Netz nutzen können. Hierzu wäre allerdings mehr Bandbreite sinnvoll. Es gibt bereits Überlegungen der Bewohner, Teile des eingesparten Geld für mobiles Internet zu nutzen und in mehr Bandbreite und Freifunk-Knoten zu investieren. Eine weitere Möglichkeit wäre, dass direkte Nachbarn etwas Bandbreite via Freifunk teilen.
Wer mehr Informationen zur Arbeit des Freundeskreises und zu deren WLAN-Projekt mit Freifunk haben möchte oder ein Teil seines Internets zur Verfügung stellen hat, hat morgen dem 27.06.2015 auf dem Heusteigviertel Straßenfest Gelegenheit dazu. Der Freundeskreis Süd wird dort Höhe Mozartstraße 32 von 13-18 Uhr mit einen Infostand vertreten sein. Vor Ort wird temporär ein mobiler Freifunk-Zugang vorhanden sein.

Diese Lösung zeigt, dass es ähnlich wie in Gomadingen auch in Stuttgart funktionieren kann. Also durch eine Privatinitiative kann ein DSL-Anschluss sowie die Hardware finanziert werden und mit der Freifunk-Technologie der Zugang ins Netz risikolos ermöglicht werden. Dauerhaft wäre es natürlich schön, wenn sich von politischer Seite etwas ändern würde, dass solche Konstrukte nicht mehr notwendig sind. Doch bis dahin kann diese Einrichtung hoffentlich als Modell für weitere Stuttgarter Flüchtlingsunterkünfte dienen.

1. Stuttgarter Flüchtlingsunterkunft mit Freifunk

Seit vergangenem Freitag wird die Flüchtlingsunterkunft in S-Rohr mit Freifunk versorgt. Dies war relativ kurzfristig durch die Vorarbeit des Stuttgarter Hackerspace shackspace möglich. Dank dem ehrenamtlichen Engagement des shackspace wurde über Spenden bereits ein Internetanschluss finanziert und vor Ort ein Internetcafé eingerichtet. Wie die Stuttgarter Nachrichten berichteten, war das Problem, dass die rund 180 Bewohner nur zu bestimmten Zeiten Zugang zu den vier PCs hatten und dann beaufsichtigt surfen konnten.
Da viele Bewohner über ein WLAN-fähiges Gerät verfügen (z.B. preiswertes Smartphone, gespendete Notebooks), war ein unbeschränkter Zugang zum Internet der logische Schritt. Andrerseits gilt in Deutschland die Störerhaftung und Anschlussinhaber sind im Zweifelsfall haftbar. Dieses Problem kann mit der Freifunk gelöst werden.
Anders als im Zeitungsartikel geschrieben, „verschleiern“ wir keine „Spuren“, sondern schützen Menschen, die kostenfrei ihren Internetzugang teilen. Diesen Aufbau verwenden auch immer mehr kommerzielle Hotspot Betreiber für Gastronomen o.ä. Deshalb sei hier auch ausdrücklich darauf hingewiesen, dass Freifunk kein Anonymisierungsdienst ist.

Der Kontakt zum shackspace war schnell aufgebaut, da dort auch unsere monatlichen Treffen stattfinden.

Letztlich waren wir zu sechst und konnten direkt elf Router installieren. Der Großteil der Router wurden von den Freifunkern und Pi gespendet. Die beiden leistungsstärkeren Router TP-Link 1043nd v2 & TP-Link WDR3600 stellen die Verbindung ins Internet her und wurden vom Freundeskreis der Flüchtlingsunterkunft finanziert.

Matze beim Konfigurieren eines Routers
Matze beim Konfigurieren eines Routers

Flächenmäßig konnten mit dieser Installation so gut wie alle Bereiche in den beiden Gebäuden abgedeckt werden. Die Router sind per Funk verbunden (meshen), wodurch keine Netzwerkkabel installiert werden mussten. Allerdings werden vom am weitesten entfernten Router fünf Hops bis zu den beiden Uplink-Nodes im Internetcafé benötigt. Dies und die hohe Anzahl an Benutzer führt dazu, dass man surfen, Kurznachrichten und E-Mails schicken kann. Das schauen von Youtube-Clips ist je nach Standort möglich.
In einer zweiten Runde wird versucht die Konfiguration zu optimieren und durch die Installation eines Outdoorrouters die Anzahl der Hops zu verringern. Eventuell kann sich der Freifunk-Router Betreiber direkt nördlich der Einrichtung melden. Bei Interesse könnte dessen Node in das Mesh eingebunden werden.

Knoten & Mesh in der Arthurstraße
Knoten & Mesh in der Arthurstraße ((Kartendaten von OpenStreetMap – Veröffentlicht unter ODbL)

Insgesamt war es eine gelungene Aktion. Vielleicht etwas hemdsärmelig umgesetzt, denn bei drei Routern sind momentan keine Koordinaten eingetragen – dies soll aber in der zweiten Runde geändert werden.
Meist sind zwischen 40 und 50 Endgeräte zeitgleich online.

Wer sich fragt, weshalb wir auch Flüchtlingsheime mit Freifunk versorgen, sollte den Kontakt zu Flüchtlingen aufnehmen und mit diesen Menschen darüber reden, welche Bedeutung es für sie hat. Leon Scherfig, der Autor des oben genannten Zeitungsartikels, hat zu dem Thema auch einen sehr guten Kommentar geschrieben.

Freifunk Stuttgart unterstützt aus diesen Gründen aus vollster Überzeugung solche Projekte. Darüber hinaus machen wir Freifunk nicht nur für Flüchtlinge, sondern für alle! Und das ohne Anmeldung, ohne zeitliche Limitierung und ohne Filterung. Jeder ist eingeladen Freifunk zu benutzen und den eigenen Internetanschluss zu teilen. Je mehr Menschen digitale Gastfreundschaft vorleben, desto höher ist die Chance, dass man vor Ort einen Freifunkknoten findet. Wer teilt gewinnt!

Wie ein Freifunk-Router eingerichtet wird, wird im Wiki erklärt. Bei einem Treffen helfen wir auch bei der Konfiguration.
Gerne unterstützen wir auch andere soziale Einrichtungen (z.B. Obdachlosenheime, Suppenküchen, Jugendhäuser, o.ä.) bei der Installation der Router. Was wir benötigen, ist ein Internetzugang vor Ort oder aus der Nachbarschaft, sowie kompatible Router.

Bei Bedarf einfach melden. Wir helfen gerne weiter oder können bei Einrichtungen auch einen vor Ort Termin machen und konkret erklären, wie das mit dem Freifunk funktioniert 😉

Bereits Ende Juni wird ein weiteres Flüchtlingsheim im Stuttgarter Süden durch das Engagement des dortigen Freundeskreises und Freifunk Stuttgart ans Netz gehen – wir freuen uns!

#3NSK

Heute mal ein Veranstaltungshinweis, der nur mittelbar mit Freifunk zu tun hat:

3. No-Spy-Konferenz 12.-14.06.2015Am kommenden Wochenende findet in Stuttgart im Literaturhaus die dritte No-Spy-Konferenz statt. Darauf weise ich nicht nur hin, weil es zwischen der No-Spy-Truppe und dem Freifunkverein eine gewisse Personalüberschneidung gibt sondern auch, weil eben dieser Verein letztes Jahr auf der Vorgängerveranstaltung PrismCamp gegründet wurde.

Auch diesmal wird es sicher wieder den einen oder anderen Programmpunkt zum Freifunk geben — und auch Gelegenheit, Router zu flashen. Und der Rest des Programms lohnt sich auch, kommt also. 😉

Digitale Gastfreundschaft auf der Sommeruni der IG Metall

Jedes Jahr lädt die IG Metall Region Stuttgart zum gemeinsamen Austausch
nach Markelfingen ein. Dort können Jung und Alt gemeinsam diskutieren
und feiern. Die Sommeruni hat jedes Mal ein anderes inhaltliches Thema.
Dieses Jahr fand die Sommeruni vom 03. bis 07. Juni 2015 statt. 2015 lautete
das Thema: „Werte – Von gestern heute und morgen“.
Neu dieses Jahr, war der von Freifunk Stuttgart bereitgestellte
„HotSpot“ über den sich die Teilnehmer über aktuelles Geschehen
informieren, Informationen für ihre Workshops recherchieren oder einfach
mal zwischendurch surfen konnten.

Informationen über Freifunk Stuttgart auf der Sommeruni
Info über Freifunk Stuttgart auf der Sommeruni

Das Angebot wurde gut angenommen, auch wenn es immer mal wieder eng
wurde, da die DSL Leitung dem Ansturm nicht gewachsen war. Zeitweise waren zeitgleich 20 Endgeräte über den Freifunk-Router online.
Vielleicht wird auch der ein oder andere Teilnehmer zu Hause etwas
„digitale Gastfreundschaft“ anbieten und einen Freifunk-Knoten
aufstellen.

300 Nodes online

Heute wurde die magische Marke der 300 online Nodes durchbrochen. Somit ist das selbstgesteckte Ziel von 300 online Routern bis zum Kirchentag geschafft 😀

Screenshot der FFS-Karte
Screenshot der FFS-Karte (Kartendaten von OpenStreetMap – Veröffentlicht unter ODbL)

Zwischenzeitlich waren gar 305 Freifunk-Router online.
Vielen Dank allen Freifunkerinnen und Freifunkern, die das möglich gemacht haben.
Übrigens bedeutet das, dass seit dem 23.09.2014 (Veröffentlichung der ersten FFS-Firmware auf gluon-Basis) 251 Tage vergangen sind. Somit sind durchschnittlich pro Tag 1,2 Nodes online gegangen.
Selbstverständlich soll das erst der Anfang sein, denn von einem weitestgehend flächendeckendem WLAN in der Innenstadt sind wir noch weit entfernt 😉
Auch für Gastgeber, die Kirchentagsbesucher erwarten, besteht die Möglichkeit noch bis zum 03.06.15 einen Freifunk-Router aufzustellen und somit den Gästen sorgenfrei und unkompliziert einen Zugang zum Internet zu ermöglichen.
Ebenfalls erschien heute in der aktuellen Fraktionszeitschrift „Stadt.Plan“ der Gemeinderatsfraktion „SÖS Linke PluS“ eine Antwort auf einen Artikel in der vorletzeten Ausgabe. In unserer Stellungnahme ist die Rede von 140 online Knoten. Zum heutigen Erscheinungstermin sind also mehr als doppelt so viele Nodes online, als beim Verfassen der Antwort.
Stellt sich nur noch die Frage, wie viele Nodes wir bis zum 23.09.2015 aufstellen können?

PS Für alle Zahlenfreunde, das war der 30. Blogpost 😉